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Provenienzforschung

Provenienzforschung – ein Beitrag von Mag. Georg KÖ

Für die Provenienzforschung am Ostfriesischen Landesmuseum Emden war das Jahr 2021 eine ganz besondere Herausforderung. Die Ausstellung „Komplizenschaft. Die Sammeltätigkeit von ,Kunst’ und Stadt Emden während der NS-Zeit im Fokus der Provenienzforschung“ sollte bereits Anfang November des Vorjahres eröffnet werden und ursprünglich bis 27. Januar 2021 laufen. In dieser Ausstellung wurde die Geschichte der umfassenden Beraubung sowie der damit untrennbar verbundenen Vertreibung und Ermordung der als jüdisch kategorisierten Bevölkerung in der Zeit des Nationalsozialismus in Emden, ganz Ostfriesland und den Niederlanden thematisiert. Aufgrund der zweiten COVID-19 Infektionswelle konnte diese Eröffnung jedoch nur digital stattfinden. In der Folge wurde eine alternative digitale Präsentation von Inhalten der Ausstellung in enger und erfolgreicher Zusammenarbeit mit der museumspädagogischen Abteilung des Landesmuseums entwickelt und umgesetzt. Vor allem die Social-Network-Kanäle des Landesmuseums auf Twitter und Facebook wurden intensiv genutzt, zentrale Themen der Ausstellung und damit Ergebnisse der Provenienzforschung der Öffentlichkeit digital zu vermitteln. Die Unberechenbarkeit der Entwicklung der Infektionszahlen und die damit verbundene mehrmals verlängerte Schließung des Landesmuseums beeinflusste damit gravierend die weitere Projektplanung. Mehrere geplante Ausstellungseröffnungen, Begleitprogramm, Schulkooperationen und vieles mehr konnte nicht stattfinden, bis schließlich am 10. Juli zur Wiedereröffnung des Museums auch die Ausstellung „Komplizenschaft“ der Öffentlichkeit schließlich real zugänglich gemacht und bis 14. November des Jahres verlängert werden konnte. Bereits am 8. Juni fand eine abendliche Preview der Sonderausstellung im Rahmen eines Empfangs von 1820DieKunst statt, die von zwei Kuratorenführungen begleitet wurde. In der Folge fanden zahlreiche Führungen durch die Sonderausstellung, darunter vielfach Kuratorenführungen, Spezialführungen für Schulen, wie dem Johannes-Althusius Gymnasium Emden und dem Max-Windmüller Gymnasium Emden sowie auch Führungen auf Plattdeutsch statt.

Begleitet wurde die Ausstellung im Museum durch eine eigens darauf abgestimmte experimentelle Kunstaktion im öffentlichen Raum der Stadt Emden. Unter dem Titel „Kunst im Öffentlichen Raum“ standen zwischen dem 6. Juli und dem 18. Oktober 2021 in der Emder Innenstadt an sieben ausgewählten Standorten Möbelstücke, die mit zwei irritierenden Zitaten – „Judenmöbel“ und „Hollandgut“ – aus historischen Quellen der 1930er und 1940er Jahre in oranger Signalfarbe besprüht wurden. Aus den Möbeln wurde so ein neues künstlerisches Medium der dynamischen öffentlichen Auseinandersetzung um die Zeitgeschichte Emdens in Form von so genannten Readymades, einem provokanten Kunstformat, welches vor rund hundert Jahren durch den international bekannten und renommierten Künstler Marcel Duchamp begründet wurde. Die Kunstwerke standen also für die vielen aus jüdischen Haushalten in der NS-Zeit geraubten Möbelstücke, die niemals zurückgegeben wurden. Ab 1942 betraf dies nicht nur Möbel aus Emder Haushalten, denn über 8000 Waggonladungen mit Wohnungsinventar vertriebener und ermordeter Menschen aus den Niederlanden wurden im Rahmen der so genannten „M-Aktion“ in den Nordwesten Deutschlands gebracht – auch nach Emden. Nach der Befreiung von dem dafür verantwortlichen Unrechtssystem im Jahr 1945 waren die ursprünglichen Eigentümerinnen der vielen Möbelstücke, des Porzellans, ja auch vieler Alltagsgegenstände, die so „in deutsche Hände“ wechselten, wie es zeitgenössisch hieß, nicht mehr da. 

Der dunkle Schatten, den die Geschichte des Raubgutes begleitete, blieb jedoch, und um sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen, wurden sehr oft alternative Geschichten (juristisch: Schutzbehauptungen) zur Herkunft der geraubten Objekte erfunden. Ein Schreibtisch, den „der Opa 1945 am Wegesrand gefunden hatte“, Kleiderschränke, „die herrenlos am Dachboden vorgefunden wurden“ und vieles mehr an Mythenbildung um diese Gegenstände begegnet bis heute auch in Emden der Provenienzforschung, die sich der wahren Geschichte des Raubgutes annimmt. In diesem Sinne standen die Kunstobjekte für etwas über drei Monate „am Wegesrand“ des innerstädtischen Alltags Emdens und erinnerten daran, dass noch viele ungeklärte Fragen aus der jüngeren Geschichte im Raum stehen.

Die Möbelstücke der Aktion stammten aus dem Fundus ausgeschiedenen Büroinventars der Stadt Emden und waren aus den 1980er Jahren. Sie kontrastierten bewusst mit ihrer Aufschrift und provozierten so mehrmals den Hinweis, dass „es sich dabei doch gar nicht um Judenmöbel handeln würde“. Allein diese Reaktion machte deutlich, wie wichtig die öffentliche Auseinandersetzung mit der stets noch unbewältigten und verschleierten Geschichte der jüngeren Zeitgeschichte in Emden war. Bei den entwendeten Möbelstücken der 1930er und 1940er handelte es sich selbstverständlich ebenso wenig um „Judenmöbel“, denn es waren ganz normale Möbelstücke ganz normaler Menschen, die erst durch den nationalsozialistischen Sprachgebrauch zu „Judenmöbeln“ gemacht wurden. Nichts daran war und ist im eigentlichen Sinne jüdisch – weder die Möbel, noch das antisemitische vom Nationalsozialismus instrumentalisierte kategoriale Präfix „Juden[…]“. Die Kunstaktion griff somit gestalterisch einen Dialog aus dem bekannten Film „Das Narrenschiff“ (USA 1965) auf, in dem Heinz Rühmann als die Figur Julius Löwenthal einem nationalsozialistischen Verleger auf die Feststellung „Die Juden sind an allem schuld.“ antwortet: „Und die Radfahrer!“. „Wieso die Radfahrer?“ fragte der Nationalsozialist erstaunt. „Wieso die Juden?“ fragte Löwenthal zurück. Dieser Dialog geht auf Erich Maria Remarques Roman „Der schwarze Obelisk. Geschichte einer verspäteten Jugend” (Köln 1956) zurück. Aus diesem Grund war es schlicht essenziell, wenig gefällige Plastikmöbel aus der jüngeren Vergangenheit für die Aktion zu nutzen, denn symbolisch war genau das die Rückfrage Löwenthals, ohne die eine kritische Auseinandersetzung um das Thema unmöglich gewesen wäre.

Mitte August 2021 wurde schließlich politisch motivierter Vandalismus in Form antisemitischer Verunglimpfung an mehreren Möbelstücken festgestellt. Aus dem zitierten Wort „Judenmöbel“ wurde der antisemitische Spruch „Juden vermöbeln“ mit einem Lackstift auf einem vor dem Hauptbahnhof Emden aufgestellten Schreibtisch gemacht. Auf einem Schränkchen am Wall wurde das gesprühte Wort „Juden“ mit Lösungsmittel unkenntlich gemacht, und im Stattgarten fand sich eines Morgens das Wort „Hollandgut“ mit schwarzem Lackstift in „Hollandschuld“ umgewandelt. Kurz vor dem Ende der Aktion hatte jemand auf einem kleinen Tischchen in der Brückstraße das Wort „Juden“ auffällig zerkratzt. Im Zuge der Planung der Kunstaktion wurden extreme Reaktionen angenommen und als Teil des Kunstmodells angesehen, das Ausmaß des noch stets in Emden vorhandenen sich öffentlich zeigenden Antisemitismus muss jedoch als bedenklich eingestuft werden. Um diese Vorfälle herum wurden schließlich auch Ermittlungen des Staatsschutzes eingeleitet. 

Generell entfachte um die Kunstaktion vor allem in den sozialen Medien eine Diskussion über den Kunstbegriff selbst, die unter dem Titel „Ist das Kunst oder kann das weg?“ geführt wurde. Vielfach machte dies auch deutlich, dass nun seit über hundert Jahren – mit Ausnahme der NS-Zeit – international als Kunst der Moderne gefeierte Formen der Auseinandersetzung mit der Welt noch nicht in jeder Gegenwart auch so wahrgenommen werden. In den Diskussionen hatten sich zwei deutliche Positionen herauskristallisiert. Auf der einen Seite wurde die Aktion „Kunst im öffentlichen Raum“ verspottet und oftmals der bekannte geschichtsrevisionistische Kommentar eingeworfen, „ob es denn nicht endlich mal gut sei sich mit dieser Vergangenheit auseinanderzusetzen.“ Auf der anderen Seite wurde die Aktion aber auch nachdrücklich verteidigt und als notwendig erachtet, denn sie habe die Diskussion um das Thema wiederaufleben lassen und deutlich gemacht, dass eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ob des stets noch in unserem Alltag präsenten Antisemitismus umso wichtiger sei.Im realen Raum der Stadt fanden sich auch mehrmals Blumen zum Gedenken und in Erinnerung an die Opfer jener dunklen Zeiten, an die diese Kunstaktion erinnert hatte, am Möbelstück im Stadtgarten hinterlegt. Dies ist als äußerst positives Zeichen zu werten.

All dies zeigte jedoch, dass eine akademische Auseinandersetzung mit der Geschichte im geschützten Raum des Museums wichtige Fragen produziert, es jedoch auch solch provokante Aktionen braucht, um diese Fragen weiter in die Öffentlichkeit zu tragen und den latenten Antisemitismus sowie die oft fehlende Auseinandersetzung mit der jüngeren Vergangenheit allgemein bewusst zu machen. In einer Demokratie ist es essenziell, dass es einen breiten öffentlichen Diskurs um zentrale Fragen des Zusammenlebens gibt und wichtige Themen nicht bloß im Verborgenen besprochen werden. Ohne diese Kunstinstallation im öffentlichen Raum wäre nicht so nachhaltig bewusst geworden, was an problematischem Gedankengut bis heute vielfach verbreitet wird.

Daran anschließend wurde zum Abschluss der Ausstellung Komplizenschaft im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ mit der Kabinettausstellung von Dr. Rolf Uphoff : „… DIE JUDEN KEHREN NIEMALS ZURÜCK …“ zum 80. Jahrestag der Deportation der letzten jüdischen Bürger*innen aus Emden, Aurich und Norden im Landesmuseum sowie ab 1. November mit der von der Provenienzforschung in Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeitsarbeit und in Kooperation mit dem Max-Windmüller-Gymnasium organisierte Ausstellung „#Antisemitismus für Anfänger*innen“ von Myriam Halberstam einen ganz aktueller Bezugsrahmen zu diesem Themenkreis geboten. Der Schwerpunkt der Arbeit lag also in der zweiten Jahreshälfte im Bereich der Vermittlung, während die erste Jahreshälfte der Forschung und Dokumentation gewidmet war. So konnte zu Jahresanfang ein ausführlicher Werkstattbericht zum Projekt der Provenienzforschung in den Nachrichten des Marschenrates veröffentlicht werden: Georg Kö, Emder Netzwerke und organisierte Massenberaubung in Ostfriesland während der NS-Zeit. Ein Werkstattbericht zur Provenienzforschung am Ostfriesischen Landesmuseum Emden. In: Nachrichten des Marschenrates zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee, Nr. 58/2021. 

Einen breiten Überblick über die Forschungsergebnisse aus Emden bot schließlich der Vortrag „Die ‚Kunst‘ und der Kunstraub im Nationalsozialismus. Ein Beitrag zur Geschichte von 1820dieKUNST in Emden“ gehalten im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft von Mag. Georg Kö am 1. November des Jahres. Der Vortrag betonte vor allem, wie aus einer dem Sammeln und der Bewahrung ostfriesischer Kultur verpflichteten bürgerlichen Gesellschaft in den späten 1930er Jahren ein Instrument nationalsozialistischer Kulturpolitik geworden war, dessen Schwerpunkt in der lokalen Organisation des als „Kulturgutschutz“ verbrämten größten Raubzuges der modernen Geschichte in Europa lag und stellte Strukturen, Akteure, den Verlauf und vor allem auch Besonderheiten dieses dunklen Abschnitts der Geschichte der Emder „Kunst“ vor. Schließlich fand mit 14. November 2021 die Sonderausstellung „Komplizenschaft“ ihren Abschluss mit zwei öffentlichen Kuratorenführungen in denen nochmals ausführlich auf die Zusammenarbeit von „Kunst“ und Stadt Emden in der Organisation des größten Kulturgutraubes in Ostfriesland anhand von Beispielen eingegangen wurde.

Netzwerk-Treffen der Niedersächsischen Provenienzforscher:Innen. Foto: Inka de Boer

Die Vernetzung als zentraler Bestandteil zeitgenössischer Provenienzforschung hat im Jahr 2021 ebenso pandemiebedingt enorm gelitten und damit die tägliche Arbeit schwieriger und die Forschung aufwändiger gemacht. Das Projekt zur Provenienzforschung am Ostfriesischen Landesmuseum Emden ist intensiv in das vom Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur initiierte Netzwerk Provenienzforschung eingebunden. Das Netzwerk wurde vom Land Niedersachsen errichtet, um das Bewusstsein einer kulturpolitischen Verantwortung im Sinne der „Washingtoner Prinzipien“ zu stärken und nachhaltig in den Museen und Sammlungen des Landes zu verankern. Es bündelt die Kräfte und Kompetenzen im Bereich der Provenienzforschung auf Landesebene und verzahnt sie koordiniert mit den Initiativen der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste (DZK) und somit auch mit dem Emder Projekt, welches seit Februar 2019 vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert wird. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Initiative waren und sind regelmäßige Netzwerktreffen an den Forschungsstandorten, also den Museen, im ganzen Bundesland. Seit Februar 2020 wurden diese Treffen jedoch aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen ausgesetzt. 

Insofern ist es eine glückliche Fügung, dass am 11. November 2021 das niedersächsische Netzwerk aller Provenienzforscher*innen Niedersachsens sich im Ostfriesischen Landesmuseum Emden zum ersten realen Treffen nach einer eineinhalbjährigen Pause traf. Es fanden sehr fruchtbare Arbeitsgespräche und ein ausführlicher Abschlussbesuch der Sonderausstellung „Komplizenschaft“ statt. Dieses erste reale Arbeitstreffen des Netzwerks betonte die Bedeutung des vernetzten Arbeitens im Kontext zeitgemäßer Forschung. Die Pandemie hat zwar dafür neue virtuelle Möglichkeiten aufgezeigt, aber auch die Grenzen des Digitalen in der Praxis sichtbar gemacht, denn persönliche Gespräche und fachlicher Austausch im Rahmen solcher Treffen können qualitativ nicht durch Videokonferenzen ersetzt werden. Dass dieses erste Vernetzungstreffen nach so langer Zeit am Ostfriesischen Landesmuseum stattfand, unterstreicht zudem die Bedeutung Emdens als Zentrum der Provenienzforschung in Ostfriesland.

 

Komplizenschaft – die Ausstellung 

Der Wiener Kulturhistoriker und Wissenschaftstheoretiker Mag. Georg Kö bekleidet seit Februar 2019 die Stelle des Provenienzforschers am Ostfriesischen Landesmuseum Emden. Diese Forschungstätigkeit wird im Rahmen eines vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste finanzierten Projektes gefördert. Die Forschungsergebnisse dieses Projektes formten die grundlegenden Inhalte und Aussagen der Ausstellung „Komplizenschaft“, die unter Mitarbeit des wissenschaftlichen Volontärs Tobias Rentsch MA entstand. Die Ausstellung berichtet aus der Perspektive der Provenienzforschung vom Sammeln geraubten Kulturguts und den Menschen, die damit in Verbindung standen. Sie zeigt die Spuren eines Verbrechens, stellt wichtige zeitgenössische Akteurinnen und Akteure vor und macht Strukturen und Prozesse der Beraubung transparent. Es ist eine multiperspektivische Geschichte, die in 14 Stationen erzählt wird. Transparenz ist das gestalterische Prinzip, um nach 75 Jahren des Verbergens dieser Vergangenheit das Öffnen der Archive und das Präsentieren unangenehmer Wahrheiten auch in der Ausstellungsarchitektur sichtbar zu machen. Die Besucherinnen und Besucher können selbst entscheiden, welchen Weg sie gehen wollen, welche Perspektiven Sie einnehmen möchten und welche Geschichte für Sie am Ende daraus entsteht. 

SYMPOSIUM ZUM AUFTAKT DER PROVENIENZFORSCHUNG

Provenienzforscher Mag. Georg Kö stellte am 4. Juli 2019 die Ausgangslage seiner Projektarbeit im Rahmen eines Symposiums im Ostfriesischen Landesmuseum Emden vor.

Seit 2006/07 ergaben sich erste Hinweise auf „NS-Raubkunst“ beziehungsweise auf sogenannte „Hollandmöbel“ im Ostfriesischen Landesmuseum Emden, denen jedoch aufgrund personeller Engpässe nicht weiter nachgegangen werden konnte. Von den etwa 55.000 Objekten in den Sammlungen der “Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer seit 1820” und der Stadt Emden sind seit 1998 etwa 90% in einer Datenbank grundlegend erfasst und 75% umfassend inventarisiert worden. Bis 1997 wurden nicht kontinuierlich Eingangsbücher geführt. Die Protokollbücher der Vorstandssitzungen der Kunst sowie Quellen des Emder Stadtarchivs erlauben zunächst nur die Erfassung der Zugangsdaten bzw. die Aufschlüsselung struktureller Gegebenheiten der lokalen Verfolgungs- und Beraubungspolitik des nationalsozialistischen Terror-Systems. Darüber hinaus werden in den überlieferten Akten spezifische Vorgänge beschrieben sowie Namen und Gegebenheiten genannt, die unzweifelhaft auf konkrete Fälle von verfolgungsbedingtem Entzug verweisen. Zentraler Gegenstand des Projektes ist also sowohl die Aufarbeitung der Provenienzen von Objekten aus verfolgungsbedingtem Entzug in Emden selbst, als auch der vor allem in den Niederlanden entzogenen und in Emden zur Auktion gelangten oder anderweitig verbrachten Mobilien.

Mag. Georg Kö: “Ich bin erst seit Februar als Provenienzforscher tätig, konnte mir jedoch bereits einen Eindruck von Geschichte und Struktur der Sammlung unseres Museums sowie auch des Vermögensentzugs während der NS-Zeit hier in Emden verschaffen. In diesem Zusammenhang möchte ich mich vor allem bei Dr. Uphoff, dem Leiter des Stadtarchivs Emden, Aiko Schmidt, Kurator an unserem Hause sowie Herrn Berg, dem Leiter des Archives der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer sehr herzlich für die hervorragende Zusammenarbeit bedanken, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, sich so rasch in die Materie einarbeiten zu können. Auch die Unterstützung des Landesarchivs durch Herrn Dr. Hermann, die ich noch ausführlich in Anspruch nehmen werde sowie die hervorragenden Publikationen zu diesem Thema von Frau Dr. Hennig von der Ostfriesischen Landschaft möchte ich keinesfalls unerwähnt lassen. Des Weiteren möchte ich auf die außergewöhnlich positive Rezeption des Themas bei beiden Trägern des Museums sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses verweisen, die mich von Beginn an tatkräftig bei meiner Arbeit unterstützt haben.”

Dr. Wolfgang Jahn, Leiter des Ostfriesischen Landesmuseum Emden, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des zweitägigen Symposiums zum Thema "Vermögenswertung im NS-Regime – Archive und Strukturen der systematischen Massenberaubung in Ostfriesland".