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Jahresbericht 2013

Jahresbericht der Gesellschaft für
bildende Kunst und vaterländische Altertümer
(1820 die KUNST) für das Jahr 2013

„Gesellschaftszweck ist der Ausbau und die Unterhaltung von Sammlungen zur bildenden Kunst und Kulturgeschichte, insbesondere mit ostfriesischem Bezug und hier besonders des Ostfriesischen Landesmuseums. Des Weiteren zählt dazu die Durchführung und/oder Förderung von Wissenschaft und Forschung auf den Gebieten von Geschichte und Heimatpflege sowie Aktivitäten, die geeignet sind, die Kenntnisse auf den genannten Gebieten zu vertiefen“ – so heißt es zielgerichtet in §3 der Satzung der Gesellschaft (im Folgenden: KUNST). Es folgt der Hinweis auf die Möglichkeit organisatorischer Vernetzung: „Zur Erfüllung des Gesellschaftszwecks können Kooperationen mit Dritten eingegangen, selbst neue juristische Personen gegründet werden oder dies gemeinsam mit Dritten geschehen.“ Mit der Gründung der „Stiftung bildende Kunst und Kultur in der deutsch-niederländischen Ems-Dollart-Region“ (Stibiku) und der Übernahme der Treuhänderschaft im Jahre 2011 durch die KUNST ist die Voraussetzung für die Einrichtung der „Neuen Galerie“ in 2012 im dritten Obergeschoss des Ostfriesischen Landesmuseums Emden mit der Ausstellung zeitgenössischer Werke der bildenden Kunst der Region geschaffen worden. Durch Wechsel in der Präsentation aus dem mehr als 1.000 Werke umfassenden Bestand (davon gut 600 aus derSammlung Baumfalk) kann regelmäßig mit bis zu 100 Werken in der ständigen Ausstellung ein Bild von der künstlerischen Schaffensvielfalt der Region gegeben werden.

Auch die gemeinsame Studienreise nach Amsterdam zur Noorderkerk mit dem Bauverein der Neuen Kirche ist ein Beispiel für die in der Satzung gezielt angesprochene Möglichkeit, mit Kooperationen gemeinsame Ziele – hier das der Vermittlung – zu verfolgen.

Weitere Beispiele für unterschiedliche Gestaltungen von Kooperationen sind die finanziellen Unterstützungen von Ankäufen und Restaurierungen durch die Professor-Ritter-Stiftung und die Gerhard ten Doornkaat-Koolman Stiftung oder das Engagement des Freundes- und Förderkreises des Ostfriesischen Landesmuseums. Junge Leute nehmen durch die Zusammenarbeit von Museum und Schulen unmittelbar Einfluss auf Inhalt und Gestaltung von Ausstellungen („Meine Großeltern und ich“). Das Format „Passionssandachten“ (gemeinsam mit der ev.-luth. Kirche) hat sich als jährlich wiederkehrende Vortragsreihe mit unterschiedlicher Themensetzung besonders erfolgreich entwickelt. Dem Trägerverein des Feuerschiffes Amrumbank konnte finanzielle und organisatorische Hilfe bei der Neukonzeption der Ausstellung geleistet werden. Mit dem Kunstverein Norden bahnt sich über die geplante Herausgabe einer gemeinsamen KUNST-Editioneine längerfristige Zusammenarbeit an.

 

Mitgliederangelegenheiten

Die Mitgliederzahl der KUNST stieg im Berichtsjahr erneut leicht auf 721. Durch die gezielte Ansprache junger Menschen sank das Durchschnittsalter der Mitgliedervon 65 auf 53 Jahre (2011-2013).

Folgende Mitglieder sind im Jahr 2013 verstorben:

Johanne Börchers, Bonno Claassen, Margaretha van Dyken, Ruth Olivia Feenders, Dr. Heinz Fredersdorf, Dorothea Klemm, Dr. Frauke Lindemann, Aenne Michielsen, Etta Schnittka, Hanna Visser, Sigrid Vortriede.

In der Mitgliederversammlung am 27. März 2014 konnten folgende Personen fürmehr als 40-jährige Mitgliedschaft geehrt werden:

Olaf Bergmann, Bernhard Brahms, Luise Kuhlmann, Hermann Meyer, Friedrich Preuss, Michael Recke, Johann Saathoff, Eiwin Scholl, Prof. Dr. Wilt Aden Schröder.

Folgende Personen konnten wir im Jahr 2013 als neue Mitglieder begrüßen:

Bernd Becker, Martha Jansen, Berends Berends, Heinz-Oskar Knäblein, Andrea Berends, Ulrich Maas, Arne Berends,  Charlotte Maas, Malte Berends, Hendrik Maas, Klaus Walter Berthold, Sigrid Mennenga, Marianne Bömeke, Friedrich Müller, Heidrun Brahms, Hartmut Müller, Ralf Brahms, Horst Osterhage, Elmar Bruns, Christian Rauschenberg, Thea Bülthuis, Johanne Remmert, Helmut Credet, Marianne Röhrbein, Helga Credet, Dr. Waldemar R. Röhrbein, Heike van Dyken-Petereit, Tobias Schmidt, Robert Eid, Ernst-Otto Schnittka, Brigitta Geerds-Maas, Christian Sprute, Prof. Dr. Klaus Hentschel, Carl-Ulfert Stegmann, Ann M. Hentschel, Christine Stegmann-Steinhoff, Ruth Hentschel, Sonja Ukena-Müller, Christa Hillers, Jan Visser, Gregor Hillers, Beate Visser, Maike Hoffmann, Dr. Katharina Vocke-Schöhl, Anne Lil Hoffmann, Margret Williams, Erich Hannes Hoffmann, Udo Willms.

Finanziell stand die KUNST im Berichtsjahr auf gesundem Fundament, auch wenn den Gesamteinnahmen von 169.000 Euro Ausgaben von 193.000 gegenüberstanden. Der Fehlbetrag ist im Wesentlichen verursacht durch die Beteiligung an den Planungskosten für das im Vorjahr erworbene Nachbarhaus zum Ostfriesischen Landesmuseum in der Brückstraße 5 in Emden.

 

Neue Dienstagsrunde

Die im Oktober 2012 wieder aufgenommene traditionelle Dienstagrunde, nämlich kulturhistorische Themen in Gesprächsforen in überschaubar großer Runde zu vertiefen, hat sich im Berichtsjahr bewährt und gefestigt. Gegenüber der früheren Vorgehensweise wird nun auch ein Objekt aus dem Sammlungsbestand in die Diskussion eingebracht; deshalb „Neue Dienstagsrunde“. Die organisatorische Betreuung dieser Reihe, jeweils am ersten Dienstag eines Monats um 18:30 Uhr im Kulturcafé des Pelzerhauses Nr. 12, liegt bei Christian Röben und Manfred Meyer.

2. April 2013 Archäologie in der Gründungszeit der KUNST

7. Mai 2013 Treckschuiten in Ostfriesland

4. Juni 2013 Auswanderung aus Emden und Ostfriesland

2. Juli 2013 Das Teemuseum in Norden –die Ostfriesische Teezeremonie als Touristenattraktion

3. September 2013 Die Neue Kirche in Emden

1. Oktober 2013 Familienforschung

5. November 2013 Geschichte der Fachhochschule in Emden

3. Dezember 2013 Mittelalterliche Instrumente

 

Vorträge

Organisation: Programmkommission unter der Leitung von Johannes Berg

2. April 2013 Prof. Dr. Henny Groenendijk: Archäologie kennt keine Grenzen, oder doch?

30. April 2013 Michael Recke: Berühmte Kartenverleger in Amsterdamim 17. Jahrhundert und in Nürnberg im 18. Jahrhundert

13. Mai 2013 Dr. Bernd Kappelhoff: Vorstellung „Emder Bürgerbücher“

28. Mai 2013 Prof. Dr. M. C. Ford: Das Plattdeutsche und seine Variationen

8. Oktober 2013 Dr. Andreas Hüser: Die Dieler Schanzen – Ein Bollwerk imSüden des Rheiderlands

11. Oktober 2013 Pastor Jürgen Hoogstraat: „Kommt uns bloß nach aus dem Kummerland“ – Auswanderung von Ostfriesen nach den USA im 19. Jahrhundert

12. November 2013 Dipl.-Ing. Matthias Bergmann: 500 Jahre Deichgeschichte der Leybucht – eine einmalige historische Kulturlandschaft

10. Dezember 2013 Ingeborg Nöldeke: Hagioskope in unseren historischenDorfkirchen

 

Studienfahrten

Organisation: Programmkommission unter Leitung von Karin Baumann und Johannes Berg

23. Februar 2013 Groningen: Ausstellungen (Gemälde) ,,De Ploeg –Groninger Kunst des Expressionismus“ und ,,Nordische Kunst –Kunstschaffen in Skandinavien um 1900“

20. April 2013 Studienfahrt nach Hannover: Kestner-Museum und Kurfüstenhaus– Geschichte des Schlosses Herrenhausen

27. April 2013 Verden: Auktionshaus Schloss Ahlden und Dom St. Mariaund Cäcilia11. Mai 2013 Amsterdam: Noorderkerk (gemeinsam mit dem Bauverein Neue Kirche Emden e.V.)

25. Mai 2013 Leer-Loga: Evenburg mit Park und reformierter Kirche

13. Juli 2013 Leer: Martin-Luther-Haus, Kunsthaus

 

Das Museumsjahr

Ein Museum sollte mit seinen Ausstellungen und den Formen seiner Vermittlung immer wieder auch das spiegeln bzw. integrieren, was gesellschaftlich und politisch außerhalb seiner Mauern passiert. Vor diesem Hintergrund sollte es gestaltend, also aktiv am aktuellen kulturellen Diskurs teilnehmen. An eine derartige Prämisse knüpft sich auch die Frage, in wie weit museale Einrichtungen heute ihre gesellschaftliche Rolle überdenken und sich eventuell auf das Wagnis einlassen müssen, sich mehr als bisher für das Publikum zu öffnen und mit dem Publikum nicht nur in einen Dialog zu treten, sondern sich auch als Plattform für die Mitgestaltung von Ausstellungen durch das Publikum zur Verfügung zu stellen. Indem man sich in dieser Weise auf seine Besucher einlässt – das OstfriesischeLandesmuseum Emden hat dies beispielsweise 2011 im Rahmen der Präsentation„Meine Großeltern und ich“ bereits erprobt, in deren Kontext Schülerinnen undSchüler der BBS 2 in Emden einen großen Anteil an der Erstellung des Projektes hatten – ergeben sich unter Umständen ganz neue, von den Museumswissenschaftlern eventuell nicht mit bedachte Perspektiven auf die behandelten Themen. Es liegt in der Natur derartiger Projekte, dass die wissenschaftlichen Mitarbeiter eines Museums dabei einen Teil ihrer Deutungshoheit an die Beteiligten abgeben, was nicht damit gleichzusetzen ist, dass eine Ausstellung quasi ungesteuert ohne eine Einflussnahme der zuständigen Fachleute entsteht. Museen müssen mit ihrer Fachkompetenz immer die Prozesse begleiten, die in eine Ausstellung münden. Es stellt sich aber die Frage nach dem Wandel der Rolle eines Wissenschaftlers in diesem Prozess und danach, ob er in Zukunft nicht immer mehr in die Funktion eines Moderators schlüpfen muss. Der Reiz und die besondere Qualität besteht bei der Verfolgung derartiger partizipatorischer Ansätze nicht nur darin, dass Museen für ihr Publikum transparenter und zu „dessen Einrichtung“ werden, sondern auch darin, dass einer subjektiven bzw. individuellen Interpretation im Rahmen einer historischen Erzählung Raum gegeben wird. Dies macht Museen unterscheidbarer, einzigartiger und damit vermutlich attraktiver für seine Gäste.

Wichtige Themenfelder, die das Ostfriesische Landesmuseum Emden 2013 beschäftigt haben, bzw. in Zukunft verstärkt aufgrund ihrer gesellschaftlichen Relevanz beschäftigen werden, sind Inklusion, Barrierefreiheit und ebenso generationenübergreifende Ansätze, die dem demografischen Wandel gerecht werden. Hinzu kommen Fragestellungen, die mit Migration, Umwelt und den Auswirkungen der Globalisierung auf die Region Ostfriesland zusammenhängen. Grundlegend für die Arbeit unserer Einrichtung ist dabei eine weitgehende Vernetzungmit zahlreichen Partnern vor Ort und in der Region. Aktuell besteht ein reger Austausch etwa mit Hochschulen, unterschiedlichen Forschungseinrichtungen, Emder Schulen, regionalen Wirtschaftsunternehmen, den Kirchen und sozialen Einrichtungen wie agilio, der OBW, Einrichtungen der Lebenshilfe, anderen Museen sowie zahlreichen weiteren kulturellen Akteuren.

Als erste Stadt hat Emden von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa den Titel „Reformationsstadt Europas“ erhalten. Es ist vor diesem Hintergrund das erklärte Ziel einer Gruppe von Kooperationspartnern in Emden, zu denen auch das Ostfriesische Landesmuseum Emden gehört, bis zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation 2017 mit zahlreichen anspruchsvollen Projekten Zeichen zusetzen. Für die Projektplanungen der nächsten Jahre nimmt das Thema Reformation daher eine herausgehobene Stellung im Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm des Museums ein.

Nachdem das Ostfriesische Landesmuseum Emden im Jahr 2007 erfolgreich an der Museumsregistrierung teilgenommen hat, bewirbt es sich 2014 um die Erneuerung des Museumsgütesiegels des Museumsverbandes Niedersachsen und Bremen. Ein Vertreter des Museums hat 2013 daher an der hiermit zusammenhängenden Auftaktveranstaltung des Verbandes teilgenommen.

Schließlich sollen zwei für das Museum im Berichtjahr besonders wichtige Ausstellungsprojekte an dieser Stelle hervorgehoben werden: Die vom 27. Januar bis zum 16. Juni gezeigte Exposition „Land der Entdeckungen – Die Archäologiedes friesischen Küstenraums“, kuratiert von der Archäologin Kristina Nowak und ihrem Kollegen Dr. Jan F. Kegler, war das bedeutendste Ausstellungsprojekt des letzten Jahres. Es war Leitaustellung und namengebend für das Themenjahr „Land der Entdeckungen 2013“ des Kulturnetzwerkes Ostfriesland, das unter Federführung der Ostfriesischen Landschaft durchgeführt wurde. In diesem Zusammenhang war das Ostfriesische Landesmuseum Emden der Leadpartner innerhalb des kulturtouristischen Themenjahres. Das in Kooperation mit der OstfriesischenLandschaft (Fachstelle für Archäologie) sowie dem Groninger Museum, dem Drents Museum in Assen und dem Fries Museum in Leeuwarden entstandene Ausstellungsprojekt gab einen umfassenden Überblick über die Höhepunkte der regionalen archäologischen Forschung der letzten 50 Jahre. Neben zahlreichen weiteren Schätzen war u.a. erstmals seit ihrem Auffinden im Jahr 1910 die Goldscheibe von Moordorf, die sich heute im Landesmuseum in Hannover befindet, in der Region nun in einer Sonderausstellung zu sehen. Die das museale Jahr 2013 im Rathaus am Delft abschließende und von Dr. Annette Kanzenbach organisierte Präsentation war das Projekt „Hildegard Peters – Retrospektive“, das in der Zeit vom 1. Dezember bis zum 2. März des Folgejahres gezeigt wurde. In dieser umfassenden Werkschau im Rathaus am Delft wurde die nach wie vor aktive Norder Künstlerin anlässlich ihres 90. Geburtstages gewürdigt. Das monografisch angelegte Projekt gab einen Überblick über mehr als 55 Jahre ihres Schaffens.

Im Jahr 2013 wurden im Ostfriesischen Landesmuseum Emden insgesamt 40.771 Gäste gezählt, womit sich das Haus hinsichtlich der Besuchsfrequenz auf einem fast ähnlich hohen Niveau bewegt wie schon 2012. Der leichte Rückgang von 2,9 Prozent bleibt hinter dem im Tourismusbarometer ermittelten landesweiten Durchschnitt der niedersächsischen Museen zurück, die insgesamt einen Rückgang von 4,5 Prozent zu verzeichnen hatten. Die Pelzerhäuser wurden im Berichtjahr wieder von ca. 5.000 Gästen besucht, wobei fast die Hälfte der Besucher wegen des Projektes „Blif hier Johann! Wat wullt du in Amerika! – Emden als Auswandererhafen!“ kamen.

 

Sammeln

Um über eine verbindliche Grundlage für eine systematische Sammeltätigkeit zu verfügen, hat das Museum nach langer gründlicher Diskussion in verschiedenen Gremien eine neue Sammlungskonzeption verabschieden können, die Anfang 2013 in Kraft getreten ist. Sie ist maßgeblich für alle zukünftigen Entscheidungen über die Aufnahme von Objekten in den Bestand des Landesmuseums. Im Berichtjahr sind wieder eine Reihe von Schenkungen an die Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer erfolgt. Zu nennen ist etwa eine Gruppe von historischen Gläsern aus der Zeit von ca. 1800 bis 1950, die dem Museum von Dr. Menno und Margot Smid überreicht worden sind. Der Journalist Heiko Müller hat der Gesellschaft ein mehr als 1.500 Objekte umfassendes Konvolut zum Thema Heringsfischerei übergeben, von denen bereits über 500 in der Datenbank des Museums erfasst worden sind. Dieser Bestand setzt sich aus Grafiken, Fotografien und historischen Dokumenten zusammen. Des Weiteren gelangte ein 1942 vollendetes Gemälde des Künstlers Heinrich Lucas, das den Küster der Neuen Kirche, Albert Geerds, zeigt, in die Sammlung des Museums. Das Gemälde ist ein Geschenk von Frau Brigitta Geerds-Maas, einer Nachfahrin des Dargestellten und ist als Leihgabe an die Neue Kirche weitergegeben worden. Vom Freundes- und Förderkreis des Museums sind der Gesellschaft 20 niederländische Fliesen mit Soldatenmotiven aus der Zeit des 17. Jahrhunderts überreicht worden. Die Darstellungen auf den Fliesen passen zeitlich und inhaltlich zu den Beständen unserer Rüstkammer und stellen hierzu eine hervorragende Ergänzung dar. Die Illustrationen erinnern in ihren Ausführungen an eine Kupferstichserie die in dem 1607 erschienenen Werk „Wapenhandelinghe van Roers Musquetten ende Spiessen“ Verwendung fand. Die dort publizierten Grafiken dienten der Ausbildung von Soldaten, die damals zumeist Analphabeten waren.

Als Schenkung an die Stiftung bildende Kunst und Kultur in der deutsch-niederländischenEms-Dollart-Region (Stibiku) ist dem Museum von Familie Hille aus Emden ein 1942 entstandenes Ölgemälde von Paul Ernst Wilke überreicht worden, das „Im Hafen von Norderney“ betitelt ist.

Neben den erwähnten Schenkungen hat die KUNST auch einige Werke für ihre Sammlung angekauft. Hierzu gehört etwa das Ölgemälde „Sägemühle Concordia am Hinter Tief“ von Adolf Fischer-Gurig. Unter den weiteren Ankäufen,in diesem Fall ermöglicht durch die Einnahmen des Kunstladens, findet sich eineDarstellung des „Riepsterhammrich“, deren Schöpfer der lange Zeit in Ostfrieslandtätige Künstler Julian Klein von Diepold ist. Schließlich ist eine Landschaft von Maerten Fransz van der Hulst angekauft worden, die wie das vorgenannte Kunstwerk aus dem Nachlass des Leeraner Sammlers Ley stammt. Das Gemälde von van der Hulst hing bereits vor dem Erwerb als Leihgabe in der Dauerausstellungdes Museums.

Vererbt wurden der Gesellschaft von Hilde Herta Frieling-Smidt drei Familienbildnisse und ein historisches Porträt aus dem 17. Jahrhundert. Zum einen handeltes sich bei den Familienbildnissen um zwei Ölgemälde aus dem Jahr 1928, von denen das eine Hilrich Anton Smidt zeigt und das andere seine Frau Erna Smidt, zum anderen sind auf einem weiteren Gemälde aus dem selben Jahr dieGeschwister Hilde Herta Smidt, also die Erblasserin, und Hilrich Elmar Smidt als Kinder vor einer Ansicht Emdens dargestellt. Bei dem vierten aus dem Nachlass stammenden Bild handelt es sich um ein 1635 vollendetes Ölgemälde auf Holz,das ein Kleinkind zeigt.

Sorgen bereitet dem Museum die aktuelle Lager- bzw. Magazinsituation. Angesichts zukünftiger Sammeltätigkeit, die ja zu den elementaren Aufgaben eines Museums gehört, ist es absehbar, dass das Magazingebäude in Borssum in verschiedenen Bereichen allmählich an seine Kapazitätsgrenzen stoßen wird. Geschehen ist dies bereits im Möbeldepot, in das keine größeren Objekte mehr aufgenommen werden können. Verbessert werden muss außerdem die Lagerung der historischen Grabsteine auf dem Außengelände des Magazingebäudes.

Bislang hat sich das Ostfriesische Landesmuseum Emden dem immateriellen Kulturgut kaum gewidmet. Aufgrund eines 2013 in Deutschland in Kraft getreten UNESCO-Übereinkommens soll immaterielles Kulturgut zukünftig besonders erfasst und geschützt werden. In diesem Zusammenhang sei auf die Initiative des Teemuseums Norden hingewiesen, das einen Antrag gestellt hat, die Ostfriesische Teezeremonie als immaterielles Kulturgut in dieUNESCO-Liste aufzunehmen.

 

Bewahren

Anfang des Jahres wurde das Porträt der ostfriesischen Fürstin Sophie Wilhelmine, eine geborene Prinzessin von Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth, mit Mitteln des Freundes- und Förderkreises des Museums restauriert. Das Ölgemälde stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Durch die sehr gut besuchten Passionsandachten im Rummel des Rathauses konnten Spendengelder gesammelt werden, die, aufgestockt durch eine Spende der Professor-Ritter-Stiftung, die Restaurierung eines weiteren Gemäldes aus demPassionszyklus von Hans II. van Conninxloo ermöglichten.

Die große, vom Maler Johann Mencke 1616 vollendete Stadtansicht von Emden, wird 2014 für eine Sonderausstellung an das städtische Museum in Venedig verliehen. Angesichts dessen musste das Bild restauriert werden. Die Maßnahme wurde in Dresden durch die Restauratorin Sybille Kreft durchgeführt. Ebenfalls durch sie konservatorisch aufgearbeitet wurde der „Spaziergang nach Zandvoort“von Isaack Luttichhuys. Begleitet wurde der Beginn der Maßnahme durch eine Publikumsaktion, d.h. erste restauratorische Arbeiten wurden in der Gemäldegalerie öffentlich vor Gästen des Museums durchgeführt.

Die Gebeine des Mannes von Bernuthsfeld, der Moorleiche des Museums, befanden sich 2013 im Landesamt für Denkmalpflege in Hannover, wo sie von der Restauratorin Monika Lehmann konservatorisch aufbereitet wurden. Es wurde damit begonnen, die bei einer früheren Konservierung aufgebrachte Kunstharzschicht von den Knochen zu lösen; Metallverbindungen zwischen den Knochen wurden entfernt und ebenso die am Skelett angebrachten Rekonstruktionen der Fehlteile.

 

Erforschen

Seit nunmehr über zwei Jahren begleitet Dr. Jürgen Bär für das Ostfriesische Landesmuseum die wissenschaftliche Erforschung der 1.200 Jahre alten Moorleiche aus Bernuthsfeld bei Aurich. Für die geplante dreidimensionale Rekonstruktion des Mannes aus dem frühen Mittelalter wird das Museum durch das Volkswagen-Werk Emden unterstützt, wo auf der Grundlage von CT-Daten das Skelett mittels eines 3D-Druckers nachgebildet wird. Nach Stationen im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, in der Universitätsmedizin Göttingen und im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Hannover erhofft man sich neue Forschungsergebnisse zu den sterblichen Überresten des Mannes aus dem 8. nachchristlichen Jahrhundert.

Ausgehend von Kontakten, die durch das zuvor genannte Projekt bestehen, wurde der aus dem 16. Jahrhundert stammende „Kopf von Jemgum“ ebenfalls genauer untersucht. Der skelettierte Schädel, auf dem zahlreiche Spuren von Schlag- und Hiebverletzungen zu finden sind, wurde von der Abteilung Paläopathologie der Universitätsmedizin Göttingen mittels Computertomographie erfasst, um die Befundsituation zu dokumentieren. Anschließend wurde der Kopf für weitere Untersuchungen in das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gebracht.

Zu den von Mitarbeitern des Museums 2013 vorgelegten Publikationen gehört der Beitrag „Emder Auswanderer in Baltimore“, der von Aiko Schmidt für das Buch „…doch die Welt nicht Heimat mir? Beiträge zu sechs Jahrhunderten Migrationsgeschichte in Ostfriesland und den benachbarten Niederlanden“ verfasst wurde. Herausgegeben wurde dieser Sammelband im Auftrag der Upstalsboom-Gesellschaft für historische Personenforschung und Bevölkerungsgeschichte e.V. von Klaas-Dieter Voß (= Bibliothek Ostfriesland, Bd. 24, Norden 2013, S. 241-254).

Von Dr. Annette Kanzenbach wurde unter dem Titel „Hildegard Peters – Retrospektive“ eine Werkmonografie zur Norder Künstlerin herausgegeben, die gleichzeitig Katalog der oben bereits ausführlich erwähnten Ausstellung war. Ebenfalls von ihr realisiert wurde ein Begleitband zu der Sonderausstellung „Discover me“und schließlich hat sie das Buch „Der Blick in den Spiegel – Hans Trimborn über sich selbst“ vorgelegt.

An den Jahrestagungen des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremene.V. vom 22. bis 24. März in Braunschweig und des Deutschen Museumsbundesin München vom 5. bis 8. Mai haben der Vorsitzende der KUNST und der Museumsdirektor teilgenommen. Darüber hinaus hat letzterer am 9. Dezember die Tagung der Fachgruppe Kulturhistorische Museen und Kunstmuseen im Deutschen Museumsbund in Berlin besucht. Schließlich waren mehrere Vertreter des Museums bei der Oll’ Mai Sitzung der Ostfriesischen Landschaft am 25. Mai  inder Großen Kirche zu Leer anwesend.

 

Ausstellen

Bis zum 30. März war die von Dr. Wolfgang Jahn kuratierte Ausstellung „Menso Alting und seine Zeit“ im Rathaus am Delft zu sehen – ein Projekt, das mit Blick auf das 500-jährige Jubiläum der Reformation ein wichtiger Auftakt der bis 2017 in Emden geplanten Aktivitäten der Kommune zu diesem Thema war.

Die in den Pelzerhäusern gezeigte und von Seiten des Landesmuseums durch Dr. Annette Kanzenbach betreute Ausstellung „Discover me!“ gehörte ebenfalls zum oben bereits erwähnten kulturtouristischem Themenjahr „Land der Entdeckungen2013“ und wurde in diesem Zusammenhang mit einer Projektförderung des Landes Niedersachsen und der regionalen Sparkassen bzw. der Niedersächsischen Sparkassenstiftung ausgezeichnet. Gezeigt wurden in der Ausstellung, die vom 10. März bis zum 11. August präsentiert wurde, aktuelle Arbeiten von 33 Künstlerinnen und Künstlern aus dem Nordwesten der Bundesrepublik. Unter den vielfältigen künstlerischen Beiträgen waren die meisten heute gängigen künstlerischen Medien vertreten.

Ebenfalls in den Pelzerhäusern gezeigt wurde das Projekt „Blif hier Johann! Wat wullt du in Amerika! – Emden als Auswandererhafen!“. Kuratiert wurde die vom 1. September bis zum 24. November geöffnete Ausstellung von AikoSchmidt M.A. und Christian Röben M.A. Sie war in erster Linie der Darstellung der Bemühungen, Emden als Auswandererhafen zu etablieren und der Geschichte der Auswanderung in Ostfriesland von 1845 bis 1914 gewidmet, die vor allem Amerika als Ziel hatte. In Form einer umfangreichen Dokumentation wurden hier Biografien zahlreicher Auswanderer vermittelt. Das Projekt, das während seiner dreimonatigen Laufzeit von deutlich über 2.000 Gästen gesehen wurde, war der diesjährige Überraschungserfolg in den Pelzerhäusern.

In der Zeit vom 12. Mai bis zum 13. Oktober hat das Landesmuseum als temporäre künstlerische Interventionen in die Dauerausstellung Werke der in Stuttgart und Berlin lebenden Künstlerin Sinje Dillenkofer gezeigt. Die modernen Werke wurden gezielt mit passenden Objekten aus der Dauerausstellung kombiniert, um so den Museumsbesuchern jeweils einen anderen bzw. neuen Zugang zu den Museumsobjekten und im Gegenzug aber auch zu den Werken von Frau Dillenkofer zu ermöglichen.

Am 7. Juli wurde im Rathaus am Delft dann eine Ausstellung eröffnet, die der Schifffahrts- und Forschungsgeschichte gewidmet war. Das „Die Endurance-Expedition des Ernest Shackleton in die Antarktis“ betitelte Projekt hat mittels anspruchsvoller historischer Fotografien des australischen Expeditionsfotografen James Francis Hurley nachvollziehbar gemacht, wie die berühmte Expedition des irischen Polarforschers im Jahre 1915 aufgrund eines Schiffbruchs scheiterte. Hurley wurde dann zum Chronisten einer dramatischen Rettungsaktion, die sich über einen Zeitraum von zehn Monaten erstreckte. Die Ausstellung wurde bis zum3. November gezeigt.

Beendet wurde das Ausstellungsjahr wieder mit der jährlich in den Pelzerhäusern stattfindenden „Emder Kunstausstellung“. An der 34. Präsentation in dieser Reihe, die wieder von Aiko Schmidt M.A. organisiert wurde, waren insgesamt mehr als 160 Künstler beteiligt.

Nach der Einrichtung der Neuen Galerie im dritten Obergeschoss des Rathauses am Delft wurden einzelne Objekte bzw. Themen aus der dort vorher untergebrachten Abteilung „Aus dem Fundus“ in die Dauerausstellung integriert; darunter Exponate zum Thema „Kleiner Kreuzer Emden“ oder Instrumente des Strafvollzugs wie die Schandtonne und das Rad.

Die wichtigsten Planungen des Museums betrafen 2013 die Ergänzung des Hauptgebäudes durch das Nachbarhaus Brückstraße 5, das von der Stadt Emden erworben worden ist. Vorgesehen ist, dort eine archäologische Dauerausstellung zur Moorleiche „Mann von Bernuthsfeld“ einzurichten. Diese Maßnahme würde gleichzeitig verschiedene Modifikationen von Teilen der Dauerausstellung und eine Veränderung weiterer Bereiche nach sich ziehen. Zu nennen sind hier die Themenfelder Deich- und Sielwesen, Rüstkammer, Schifffahrt, 20. Jahrhundert und Schaumagazin sowie die Gebiete Medieneinrichtungen und Service. Für die Planung des Projektes sind als Museumsgestalter das Berliner Büro Iglhaut und von Grote, sowie die Architekten Ahrens und Grabenhorst aus Hannover eingeschaltet worden, die auch schon für die Neueinrichtung des Museums in denJahren 2003 bis 2005 gearbeitet haben. Im Zusammenhang der Konzeptentwicklung liegt ein besonderes Augenmerk auf den Möglichkeiten eine Verbindung von Haupthaus und Brückstraße 5 zu schaffen sowie auf der Ermittlung der zu erwartenden Kosten. Abgesehen von den genannten Projekten ist das Ostfriesische LandesmuseumEmden auch außerhalb seiner Räumlichkeiten gestalterisch tätig geworden. Im Rahmen eines Musealog-Projektes, an dem Malte Switkes vel Wittels, Arne Droldner und Henning Priet beteiligt waren, wurde das Feuerschiff Amrumbank/ Deutsche Bucht bei der Neuplanung seiner Dauerausstellung unterstützt. Am 15. März wurde die auf der Grundlage der Konzeption der drei Musealogen realisierte Präsentationder Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Vermitteln

Außer den erwähnten Ausstellungsaktivitäten sind als besondere Ereignisse die zwei Aufführungen des Theaterstücks „Der blinde Willem“ im November und Dezember hervorzuheben, die von der zuständigen Museumspädagogin Ilse Frerichs in Zusammenarbeit mit Dr. Wolfgang Jahn und unterstützt durch Rainer Zwarte vor großem Publikum in der Johannes a Lasco Bibliothek auf die Bühne gebracht worden sind. Zusammengefunden hatten sich für dieses 2012 mitdem Förderpreis Museumspädagogik der VGH-Stiftung ausgezeichnete Projekt 14 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von der Arbeitsgemeinschaft für integrative Leistungen in Ostfriesland (agilio), von der Ostfriesischen Wohnstätten-und Beschäftigungsgesellschaft (OBW) und der Grundschule Constantia, um die wechselvolle Geschichte Emdens im 16. Jahrhundert anhand der historischen Figur des Emder Musikers „Blinder Willem“ darstellerisch zu erkunden.

Ausgezeichnet wurde das mit der Kunsthalle Emden gemeinsam erarbeitete Projekt „Erleben und entdecken – Zwei Museen stellen sich vor“ von der Landesvereinigung für Kulturelle Jugendbildung Niedersachsen, das von Seiten des Landesmuseums von dem FSJKler Arend Grüneberg betreut wurde. Gewidmet war es einer Kooperation mit dem Kindergarten Rote Mühle, dessen Kinder die Museen kennenlernen sollten.

Das Ostfriesische Landesmuseum Emden konnte 2013 abermals vielfältige Angebote für seine Gäste bereithalten. Zum festen Bestandteil des jährlichen Terminkalenders gehören der „Ostermarkt“, der „Internationale Museumstag“, der„Internationale Kindertag“, der „Tag des offenen Denkmals“, der „Emder Museumstag“, die „Emder Museumsnacht“ oder auch die Veranstaltung „Advent am Rathausbogen“, die alle durch unterschiedliche Vermittlungsangebote der museumspädagogischen Abteilung begleitet wurden. Ebenso regelmäßig bietet diese Abteilung etwa die Ferienbetreuung, Ferienpassaktionen, Familiensonntage, Übernachtungen im Museum oder KidsIn an.

Zu Gast war im letzten Jahr außerdem zum wiederholten Male das VGH-Literaturfest, mit Lesungen zum Thema „Verrat“, die von der Schauspielerin Brigitte Assheuer und dem Schauspieler Dietmar Wunder vorgetragen wurden. Von Seiten des Museums war wieder Diethelm Kranz M.A. für die Betreuung dieser Veranstaltung zuständig.

In Zusammenarbeit mit der musischen Akademie Emden und dem Kulturbüro wurden in der Reihe „Das Kleine Konzert“ abermals drei Veranstaltungen mit renommierten Musikern angeboten. Die mittlerweile fest etablierten, zuvor schon erwähnten Passionsandachten fanden 2013 nun zum fünften Mal statt. Gewohnt professionell wurde die Veranstaltungsreihe von Dr. Annette Kanzenbach gemeinsam mit der lutherischen Kirchengemeinde Emden vorbereitet und betreut. Kombiniert war die Reihe dieses Mal mit einer Präsentation von Gemälden des norddeutschen Künstlers Uwe Appold, die durch Gedichte von Nelly Sachs inspiriert wurde. Zu sehen waren die Bilder in der Martin-Luther-Kirche.